Vorsicht vor Magensäureblockern

Magensäureblocker sind beliebte Medikamente der Deutschen. Sodbrennen und Magengeschwüre sollen sie bekämpfen, doch die Nebenwirkungen sind nicht zu vernachlässigen. Schon 2006 rätselten Wissenschaftler, warum sich nach der Einnahme der Magensäureblocker sehr viele Patienten die Hüfte brachen. 2009 fand ein Team um Michael Amling vom Institut für Osteologie und Biomechanik an der Hamburger Uni es heraus: Die Magensäureblocker reduzieren die Magensäure. Diese ist jedoch dafür verantwortlich, das gerade für den Knochenbau so wichtige Kalzium aus der Nahrung freizusetzen. Geschieht dies nicht, kann es auch nicht die Darmwand passieren. Wer also Magensäureblocker einnimmt, kann Kalzium aus der Nahrung nicht mehr richtig verwerten. Stattdessen greift der Körper auf seine eigenen Vorräte zurück und die Knochen werden abgebaut. Zwar ist dies für gesunde Menschen kein Problem, wer aber bereits unter Osteoporose leidet oder die Magensäureblocker über längere Zeit hinwegnimmt, der muss mit dem Risiko rechnen, dass seine Knochen brüchig werden.

Zu hohe Einnahme von Magensäureblockern

In Deutschland nehmen gut acht Millionen Bürger täglich Magensäureblocker, auch als Protonenpumpeninhibitoren bekannt, ein. Wie Experten bestätigen, sind die Nebenwirkungen sehr selten. Trotzdem treten sie zur Zeit gehäuft auf, weil eben so viele Menschen diese Medikamente einnehmen.

In den 1990er Jahren kamen die Arzneimittel auf den Markt, sie waren damals hochwillkommen. Schon im alten Ägypten hatte man versucht, Sodbrennen und Magengeschwüre zu bekämpfen, indem man die Magensäure mit Natriumcarbonat neutralisierte. Die modernen Magensäureblocker setzen aber nicht auf alkalische Salze, sondern packen das Problem an der Wurzel.

Mit ihrer Hilfe wird ein Enzym in den Magenzellen blockiert, welches für die Produktion der ätzenden Magenflüssigkeit verantwortlich ist. Der Gedanke dahinter: Wird keine Magensäure produziert, kann sie auch nicht in die Speiseröhre aufsteigen und zu Sodbrennen (Reflux) führen. Auch die Geschwüre, die durch die Magensäure in der Speiseröhrenwand entstehen können, werden so verhindert. Ebenfalls konnten Magengeschwüre, selbst wenn sie als Nebenwirkungen durch die Einnahme von Medikamenten entstanden, verhindert werden.

Allerdings haben Ärzte die Magensäureblocker auch bei weniger gravierenden Fällen verschrieben, etwa beim Reizmagen oder Bauchschmerzen, bei Blähungen und Übelkeit. Experten kritisieren dieses Vorgehen, weil der Nutzen der Magensäureblocker in diesen Fällen nicht nachgewiesen, teilweise sogar fraglich ist.

Diese Nebenwirkungen bringen Magensäureblocker mit sich

Durch diese massenhafte Verschreibung der Medikamente, lernte man auch die Nebenwirkungen der Magensäureblocker immer besser kennen. Das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, steigt, Knochenbrüche treten häufiger auf und auch das Risiko für einen Herzinfarkt und/oder Nierenprobleme steigt an.

Außerdem neigen Patienten, die Magensäureblocker einnehmen, vermehrt zu Durchfall. Grund dafür: Durch die fehlende Magensäure wird der pH-Wert angehoben. Verschiedene Krankheitserreger, wie etwa das Bakterium Clostridium difficile, können bis in den Dünndarm vordringen. Dort können sie beispielsweise Infektionen und Diarrhöe verursachen.

Tumorpatienten, die Magensäureblocker einnehmen, können ebenfalls Probleme bekommen. Die Medikamente beeinflussen den Abbau und die Aufnahme verschiedener anderer Medikamente, wie Mittel gegen Krebs oder Gerinngungshemmer.

Auch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt vor den Magensäureblockern. Sie sorgten dafür, dass der Magnesiumspiegel im menschlichen Körper auf ein sehr niedriges Niveau heruntergesetzt werde. Auch der Vitamin-B12-Gehalt wird abgesenkt. Eine Untersuchung von mehr als 74.000 AOK-Versicherten hat zudem ergeben, dass das Risiko, an Demenz zu erkranken, unter der Einnahme der Magensäureblocker um 60 Prozent zugelegt habe. Allerdings treten die Nebenwirkungen fast immer erst dann auf, wenn die Magensäureblocker regelmäßig über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Magensäureblocker – Suchtgefahr?

Bereits vor sieben Jahren hat man in Kopenhagen eine interessante Entdeckung gemacht. Über zwei Monate gab man gesunden Studenten und Klinikangestellten Magensäureblocker. Nachdem diese abgesetzt wurden, klagten die meisten der Probanden jedoch über Sodbrennen und Magenbeschwerden. Sie wollten die lindernden Medikamente weiter einnehmen.

Grund dafür: Auf den Säuremangel reagiert der Körper, indem er versucht, dessen Produktion zu erhöhen. Wird das Medikament also abgesetzt, ist der Magensaft zu sauer. Schnell entsteht ein Teufelskreis, weshalb die Tabletten wieder eingenommen werden.

Dies ist gar nicht so selten: Vor etwa 20 Jahren haben Klinikärzte Magensäureblocker bereits prophylaktisch verschrieben. Grund dafür: Patienten waren durch die Behandlung anderer Erkrankungen so gestresst, dass sie Magengeschwüre entwickelten. Später wurde die Verschreibung vom Hausarzt weiter geführt, oft, ohne zu überprüfen, ob die Einnahme der Medikamente aus medizinischer Sicht überhaupt noch notwendig sei. Bis heute, so haben es Studien gezeigt, nimmt jeder zweite bis dritte Patient die Magensäureblocker nach wie vor ein, obwohl er diese aus medizinischer Sicht gar nicht mehr benötigt.

Magensäureblocker auch rezeptfrei erhältlich

Besonders bedenklich werden diese Erkenntnisse, wenn man bedenkt, dass die Magensäureblocker seit 2009 nicht einmal mehr verschreibungspflichtig sind. Im Gegenteil, sie sind in Apotheken freiverkäuflich. Gut 4,5 Millionen Packungen werden ohne Rezept abgegeben, wie der Gesundheitsdienstleister IMS Health bestätigt. Das ist fast ein Zehntel aller verkauften Magensäureblocker.

Im Fazit sprechen sich die Experten eindeutig dafür aus, Magensäureblocker abzusetzen, sobald diese nicht mehr nötig sind. Denn die zugrundeliegenden Erkrankungen, die damit behandelt werden sollen, sind nun einmal irgendwann ausgeheilt.

Quelle: F.A.S.

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