Masern dank Impflücken auf dem Vormarsch

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ursprünglich geplant, Masern im Jahr 2015 auszurotten. Doch daraus wird wohl nichts, wie jüngste Berichte zeigen. Das Robert-Koch-Institut gab an, dass alleine in Berlin seit dem Oktober 2014 412 Menschen an Masern erkrankt sind. Waren anfangs vor allem die Asylbewerber aus Bosnien-Herzegowina und Serbien betroffen, griff die Erkrankung auch schnell auf andere Personengruppen über. Bereits am Freitag hatte die Gesundheitsverwaltung der Hauptstadt deshalb dazu aufgerufen, bei allen noch nicht geimpften Kindern und Erwachsenden die Impfung schnellstmöglich nachzuholen.

Wie gefährlich sind Masern?

Die Masern sind dabei keine einfache Kinderkrankheit, die schnell abgetan werden kann. Im Gegenteil, die Erwachsenen, die betroffen sind, leiden noch stärker. Mehr als die Hälfte von ihnen muss im Krankenhaus behandelt werden. Im Januar 2015 gab es allein in Berlin 254 neue Fälle von Masern, in Schleswig-Holstein breitet sich die Krankheit ebenfalls aus, auch wenn die Zahl der Betroffenen (noch) im einstelligen Bereich liegt.

Seit 2001 gilt für die Erkrankung an Masern eine Meldepflicht, so dass das zuständige Gesundheitsamt zu informieren ist. Besonders diejenigen Menschen, die zwischen 1972 und 1991 geboren sind, sollen von der Krankheit bedroht sein, da in dieser Zeit Kinder nur einmalig gegen Masern geimpft wurden. Erst zum späteren Zeitpunkt stellte sich heraus, dass eine zweimalige Impfung nötig ist. Wie es aus dem Robert-Koch-Institut weiter heißt, sind die Masern eine der gefährlichsten und ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Durch mangelnden Impfschutz drohe uns eine Epidemie, wer nämlich Kontakt mit Infizierten hat, steckt sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch an. Die Übertragung der Erreger erfolgt durch die Tröpfcheninfektion, so dass schon kleinste ausgestoßene Tröpfchen beim Sprechen, Niesen oder Husten zur Ansteckung führen können.

Personen, die vor 1973 geboren haben, dürften sich halbwegs sicher fühlen, weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit in Kindertagen einmal an Masern erkrankt und damit lebenslang vor der Krankheit geschützt sind. Tödlich verläuft die Krankheit zwar selten – bevor es zur Impfflicht kam, starb eine von 10.000 infizierten Personen – trotzdem kann sich aus der Erkrankung über Jahre hinweg eine subaktive sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) entwickeln. Diese Folgeerkrankung tritt zwar ebenfalls selten auf, ist aber umso gefährlicher. Denn das Gehirn löst sich auf und die Erkrankung verläuft tödlich. Zudem dürfen die Nebenwirkungen einer Masernerkrankung nicht außer Acht gelassen werden, wie Durchfall, eine Lungen- oder Mittelohrentzündung, die häufig auftreten.

Warum ist die Impfung so wichtig?

Obwohl die Masern selten tödlich verliefen, hat sich das mittlerweile geändert. Heute stirbt eine von 1.000 erkrankten Personen, da zunehmend mehr Erwachsene infiziert werden und es bei ihnen häufiger zu Komplikationen kommt. Die Schutzimpfung ist dabei schon seit langem bekannt und erfolgt im Rahmen einer Vierfach-Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und die Windpocken. Bereits im 12. Lebensmonat werden die Kinder zum ersten Mal geimpft und vor dem zweiten Geburtstag folgt die zweite Impfung.

Mittlerweile liegt die Impfquote bei 96,7 Prozent für die einmalige Impfung, bei 92,4 Prozent für die zweimalige Impfung. Trotzdem reicht das noch nicht aus. Um die Masern dauerhaft auszurotten, wie es der Plan der WHO ist, benötigt man dauerhaft eine Impfquote von 95 Prozent. Diese wird jedoch einer Studie aus dem Jahr 2013 zufolge nicht erreicht, denn jedes dritte Kleinkind wird aufgrund der Impfmüdigkeit nicht ausreichend gegen die Masern immunisiert.

Masern auch in den USA auf dem Vormarsch

Diese Impfmüdigkeit führt dazu, dass immer mehr Neu-Infektionen gemeldet werden – und zwar weltweit. So gab es in den USA alleine im Januar 2015 102 Infektionen in 14 Bundesstaaten. Diese Zahlen werden sonst im ganzen Jahr erreicht. Vor allem die Republikaner wehren sich gegen die Impfkampagnen, die ihnen vom Staat diktiert werden.

In Deutschland sehen viele Eltern eine Kinderkrankheit als ideale Immunisierung für den Rest des Lebens an, die zudem das Immunsystem stärken könnte. Dass dabei möglicherweise ein tödliches Risiko in Kauf genommen wird, wollen viele Eltern nicht wissen.

Kinder- und Jugendärzte fordern daher ein Einschreiten der Politik. Es müssten schärfere Regeln getroffen werden. So sollten Schulen und Kindertagesstätten Kinder nur dann aufnehmen, wenn ein ausreichender Impfschutz nachgewiesen werden kann. Andere sehen den Zwang von oben eher kritisch und wollen die Impfmüdigkeit mit besserer Aufklärung bekämpfen.

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